2K übernimmt Sautter

Wer in Gültstein aus der Ammertalbahn hüpft, stolpert quasi mitten in das Farbenfachgeschäft der Familie Sautter hinein. Besonders für die Alteingesessenen gehört auch der gleichnamige Malerbetrieb seit mehr als einem halben Jahrhundert zum Ortsbild dazu. 

"1959 hat mein Schwiegervater Rudi den Betrieb gegründet", sagt Inhaber Edwin Eipper (61) stolz. "Schräg gegenüber des Bahnhofs", ergänzt seine drei Jahre jüngere Frau Ute. Beide haben von ihrem Büro im ersten Stock die ein- und ausfahrenden roten Züge bestens im Blick.

Seit 1993 lenkt das Duo gemeinsam die Geschicke der Traditionsfirma. Während Ute Eippers Reich überwiegend das Fachgeschäft im Erdgeschoss ist, kümmert sich ihr Mann um die fünf Mitarbeiter. Jeder aus dem Quintett hält seit mindestens 15 Jahren dem Familienbetrieb die Treue. Seit über 40 Jahren greift Reiner Hezel zu den Werkzeugen.

Nicht anders sei es bei der Kundschaft, sagt Ute Eipper lächelnd. "In den Jahren hat sich ein echtes Vertrauensverhältnis aufgebaut", ergänzt Ehemann Edwin. Das sei sogar soweit gediehen, dass "unsere Leute den Haustürschlüssel in die Hand gedrückt bekommen, um ihren Auftrag zu vollenden". Die Stammkundschaft, schätzen beide, liege nach all den Jahren "bestimmt im vierstelligen Bereich".

Zu Hochzeiten Anfang der 1980er Jahre, erinnert sich Ute Eipper, hatte der Betrieb ihres Vaters 14 Mitarbeiter und eine Gipsergruppe beschäftigt. "Es gab nur einen einzigen Winter, als es mal nicht so gutlief", resümiert Edwin Eipper. Der gelernte Bankkaufmann hatte schnell gemerkt, dass ihm der Job nicht so recht schmeckte - und schulte auf Maler um. "Weil er seine Lehrzeit verkürzen durfte, waren wir sogar miteinander fertig", sagt Ute Eipper. Sie hatte von klein auf im elterlichen Laden mitgeholfen. Ihr Mann sattelte zu Beginn der 1980er Jahre einen Meistertitel drauf.

Warum sich der Betrieb über all die Jahrzehnte gehalten hat? "Weil unser Augenmerk seit jeher auf privaten Auftraggebern lag", stellt Edwin Eipper fest. Hier eine Tür, Garage, dort eine Fassade oder eine Renovierung. Die Häuslebauer und Wohnungsbesitzer möglichen Großkunden vorzuziehen, hatte bereits Rudi Sautter so gehandhabt. "Man muss seine Kapazitäten eben genau kennen", merkt Ute Eipper an - das Risiko, sich an großen Projekten zu verschlucken, scheuten sie und ihr Mann. "Wir haben auf einen einzigen Bauträger unseres Vertrauens gesetzt."

Firmen hätten so einige angeklopft, berichtet Edwin Eipper. "Dennoch haben wir uns sehr gut überlegt, bei wem wir unsere Leute vorbeigeschickt haben." Etwa bei Neoplan. Das Nebringer Sporthotel Aramis hat die Malerei Sautter ebenfalls mit ihrem Anstrich versehen. Die Betonsanierung des Herrenberger Andreae-Gymnasiums um die Jahrtausendwende geht auch auf die Kappe des Gültsteiner Traditionsunternehmens. "Auf das Ergebnis sind wir stolz", sagt Ute Eipper.

Einen eigenen Internetauftritt? "Sucht man bei uns vergeblich", sagt Edwin Eipper und lächelt. "Bei uns hat die Mund-zu-Mund-Propaganda völlig ausgereicht." Das hat auch die Käufer beeindruckt. "Er hat wirklich kaum Werbung gemacht und trotzdem einen breiten Kundenstamm", merkt Markus Kläger (42) an. Der Horber hat zusammen mit Partner Klaus Schneider, 47, zu Jahresbeginn die Firma "mit Mann, Maus und allen Rechten und Pflichten übernommen".

Buschfunk liefert den Hinweis

Dass die Familie Eipper zumindest mit dem Malergeschäft in Rente gehen will, haben die Gründer der "2K Maler und Markierer"-GmbH mit Sitz in der Herrenberger Hindenburgstraße über einen ehemaligen Außendienstler von "Farbtex" erfahren. Buschfunk sozusagen. "Ich hab angerufen und wir haben einen Termin vereinbart", berichtet Kläger, der den Beruf im elterlichen Betrieb von der Pike auf gelernt hat. Nach viereinhalb Stunden seien sich beide Seiten einig gewesen: "Die Chemie hat gestimmt", sagt Edwin Eipper. "Es war uns wichtig, dass alle Mitarbeiter übernommen werden." Der sozialen Verantwortung wegen. Schneider und Kläger haben sich in Stuttgart auf der Meisterschule kennengelernt. Dann haben sich ihre Wege getrennt, 2012 waren beide mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden - sie gründeten anschließend ihren eigenen Betrieb. Der umfasst aktuell 25 Angestellte, macht pro Jahr 2,5 Millionen Euro Umsatz. Bislang standen Großkunden, vorrangig aus der Automobilbranche, in den Büchern. "Wir sind nach wie vor ein Familienunternehmen", merkt Kläger verschmitzt an. Sein Vater, seine Frau, seine Schwiegermutter - alle helfen mit. Auch Schneiders Bruder ist in die Firma involviert.

Derweil spüren nicht nur die fünf Mitarbeiter aus Gültstein einen frischen Wind. "Das gemeinsame, morgendliche Treffen hier in Gültstein fällt weg. Jeder fährt direkt zur Baustelle und bekommt Freiheiten, selbst zu entscheiden, was nötig ist", hat Edwin Eipper beobachtet. "Für unsere langjährigen Kunden ändert sich aber nichts." Das ist ihm wichtig.

Vom Gültsteiner Farbengeschäft in der Wilhelm-Nagel-Straße, das der gebürtige Altinger Rudi Sautter einst gründete, will sich das Ehepaar Eipper vorerst nicht trennen. "Unsere Kunden zu beraten, macht einfach einen riesigen Spaß", merkt Ute Eipper an. "Weil nur wir im Laden stehen, fällt die Last der Verantwortung für unsere Mitarbeiter nun weg. Damit wird Urlaub künftig auch Urlaub sein." (Sven Gruber, Gäubote 05.03.2015)

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